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Bernd Feininger

 

Dr. Bernd Feininger, Literaturwissenschaftler und Theologe, arbeitet als Dozent an der Pädagogischen Hochschule Freiburg in der Lehrerausbildung für Baden-Württemberg. Als Theologe befasst er sich vor allem mit der Bibel, besonders intensiv mit dem Alten Testament, sowie mit der Religionspädagogik der Welt religionen und dem Interreligiösen Dialog.

Veröffentlichungen in religionspädagogischen Fachzeitschriften, zusammen mit seinem Kollegen Reinhard Wunderlich gibt er die religionspädagogische Reihe “Übergänge”  heraus (Peter-Lang Verlag). Als Literaturwissenschaftler hat Feininger über den neuisraelischen Autor Amos OZ gearbeitet (“Amos OZ verstehen- Literatur und jüdisches Erbe im modernen Israel”, Peter-Lang Verlag). Die literaturwissenschaftliche Arbeit schlägt sich auch im kreativen Schreiben nieder. Feininger verfasst Kurz-Texte (er spricht nicht gern von “Gedichten” oder “Lyrik”, das sei heute missverständlich), indem er aus unterschiedlichen Lebensbereichen Sprach-
formen aufgreift, die für ihn punkterhellend bestimmte Vorgänge und Ideen unserer Zeit bloßlegen, “verraten.” Manchmal wird das vorgefundene Sprachmaterial behutsam neu angeordnet und zugefeilt, manchmal von Grund auf verändert,, zertrümmert, usw. Manchmal findet er seine Vorlage auf dem (Sperr-) Müll der Sprache, manchmal im “hohen Ton” feierlicher Texte. Ein Beispiel aus seinem Sammelband “Tag um Jahr” (2002): Wie kann ich die alte Metapher von “Amors Pfeil” und der Verwundung durch die Liebe neu formulieren? Feininger arrangiert einen Text aus dem Biologie Buch:

            In Ruhestellung bleibt der Stachel
            in der Scheide versenkt mit Stech
            Borsten und Widerhaken biegt
            der Hinterleib plötzlich nach unten
            weg und bohrt die Spitze mit einem
            Ruck unter die Haut schießt das
            Gift der Biene.

Der Sammelband “Tag um Jahr” enthält Texte, die in kleinen Literaturzeitschriften und Anthologien erschienen sind: Tag treibt das Jahr um, Tag wirbelt um schnell wechselnde Jahre, Menschen verketten sich, gehen wieder auseinander, öffnen und schließen das Buch ihres Lebens: Aufbrüche und Abschiede machen diese Kurz-Texte sichtbar und auch, was ins Stocken gerät, Fragment bleibt, nicht mehr zuheilt. Leg dich aufs Fakir-Bett und spüre den Großen Zerriss, meint der Autor, begegne offen dem Rätsel deiner Biographie und freue dich an jedem Erwachen durch Herbst und Winter hindurch. Gedankenlyrik? Nein, keine weisen Ratschläge oder klugen Betrachtungen, eher kurze Stimmungsbilder und Erfahrungs-Verdichtungen. Emotional engagiert und doch wachsam kritisch betreibt Feininger Existenz-Erhellung, locker eingepasst in das “lyrische Jahr”, einer altbekannten Gattung, die er mit der Symbolkraft der Alltags-Sprache heutig auszuloten versucht. Maria Rabenseifner hat zu dem Bändchen schöne, ausdrucksstarke Aquarelle beigesteuert. “Tag um Jahr”, 67 Seiten, kartoniert mit Umschlag, Edition Wendepunkt,
ISBN 3-935841-38-8, 10.00 EUR. Zu beziehen über den Verlag oder direkt beim Autor B. Feininger, O.E. Sutter-Weg 4 in 77723 Gengenbach (portofrei).

Jüngste Veröffentlichung ist der Band „Astro-Skala“ mit Bildern von Andrea Heinz, 82 Seiten, kartoniert, Edition Wendepunkt ISBN 978-3-938728-97-0, 7.00 EUR. Kann ein Brief aus Ostberlin vor 1989 den Zusammenbruch der DDR vorwegahnen oder ein Model-Text das US-Amerikanische Kräftemessen auf der Weltbühne? Und wie ist das mit dem getöteten Frosch, dem Lippenstift und einem verstorbenen Dichter? Diese Texte wollen mit ihrer eigenen Rhythmik überraschen, zum Nachdenken anregen und demonstrieren, wie Daseinserhellend Sprache wird, wenn man sie zuspitzt und in einen künstlichen Zusammenhang stellt. Die Acryl-Studien von Andrea Heinz bilden dazu einen eigenständigen Beitrag.